Krafttraining nach Brustkrebs-Erkrankung bei Frauen
Zu diesem Kapitel habe ich eine sehr persönliche Anmerkung:
Eine meiner engsten Freundinnen erkrankte an Brustkrebs – und erst die Diagnose brachte ans Licht, wie weit die Erkrankung bereits fortgeschritten war. Es folgten über anderthalb Jahre einer schweren und entbehrungsreichen Behandlung, geprägt von langen Klinikaufenthalten und mehreren kritischen Episoden, in denen selbst die Therapien gefährliche Abwehrreaktionen auslösten. Heute ist sie glücklicherweise symptomfrei.
Gerade deshalb berührt mich die folgende Studie besonders: Sie zeigt eindrucksvoll, dass gezieltes körperliches Training weit mehr ist als eine unterstützende Maßnahme. Krafttraining und hochintensives Intervalltraining können im Körper Kräfte aktivieren, die das Wachstum von Krebszellen direkt bremsen. Für mich ist dies ein weiterer Beweis dafür, dass Bewegung nicht nur neue Lebensqualität schenkt, sondern auch berechtigte Hoffnung auf eine langfristige, gesunde Zukunft eröffnet.
Hier sind die Ergebnisse dieser Studie. Die Quellennachweise sind wie immer unten.
Titel der Studie:
„Schon eine einzige Einheit Krafttraining oder hochintensives Intervalltraining steigert antikrebswirksame Myokine und hemmt das Wachstum von Krebszellen im Labor bei Brustkrebsüberlebenden.“
Warum diese Studie Hoffnung macht
Brustkrebs ist die häufigste krebsbedingte Todesursache bei Frauen. Viele Betroffene leben mit der Sorge, dass die Krankheit zurückkehrt. Gerade deshalb ist diese neue Studie so ermutigend: Sie zeigt, dass schon eine einzige Trainingseinheit – sei es Krafttraining oder hochintensives Intervalltraining (HIIT) – spürbare Effekte im Körper auslösen kann, die aktiv gegen Krebs wirken.
Was im Körper passiert
Beim Training schüttet die Muskulatur spezielle Botenstoffe aus, sogenannte Myokine. Diese Stoffe wirken wie kleine Schutzschilde: Sie können das Wachstum von Krebszellen bremsen. In der Studie stiegen nach dem Training die Spiegel mehrerer dieser Myokine deutlich an. Besonders HIIT führte zu einem kräftigen Anstieg von Interleukin-6, das eine wichtige Rolle in der Abwehr spielt.
Das Besondere: direkte Wirkung gegen Krebszellen
Das Blut der Teilnehmerinnen wurde anschließend im Labor getestet. Das Ergebnis: Das Serum hemmte das Wachstum von aggressiven Brustkrebszellen um bis zu 29 % – und das nach nur einer einzigen Trainingseinheit! Beide Trainingsformen waren wirksam, HIIT zeigte den stärksten Soforteffekt.
Was das bedeutet
Die Botschaft ist klar und hoffnungsvoll: Bewegung ist nicht nur gut für Fitness, Herz oder Psyche – sie wirkt offenbar auch direkt antikrebswirksam. Wer sich bewegt, stärkt damit nicht nur seine Lebensqualität, sondern möglicherweise auch seine Chancen, langfristig krebsfrei zu bleiben.
Diese Ergebnisse machen Mut: Jeder Schritt, jede Trainingseinheit kann einen Unterschied machen. Sport ist damit nicht nur Begleiter in der Genesung, sondern ein aktiver Verbündeter im Kampf gegen Rückfälle – und ein Schlüssel zu einer längeren, gesünderen Zukunft.
Für diejenigen, die sich für die genaueren Ergebnisse interessieren: Hier sind noch einmal die Autoren, eine von mir übersetzte Version des Abstracts und der Quellennachweis.
Englischer Originaltitel der Studie:
A single bout of resistance or high‑intensity interval training increases
anti‑cancer myokines and suppresses cancer cell growth in vitro
in survivors of breast cancer
Ziel der Studie
Brustkrebs ist nach wie vor die häufigste krebsbedingte Todesursache bei Frauen. Umso wichtiger ist es, Wege zu finden, das Risiko für Rückfälle und eine erneute Erkrankung zu senken. In dieser Studie wurde untersucht, wie sich eine einzelne Trainingseinheit – entweder Krafttraining (Resistance Training, RT) oder hochintensives Intervalltraining (HIIT) – auf bestimmte muskelabhängige Botenstoffe („Myokine“) und auf das Wachstum von Brustkrebszellen im Labor auswirkt.
Methoden
32 Frauen, die Brustkrebs überstanden hatten, wurden zufällig einer von zwei Gruppen zugeteilt: 16 führten eine einzelne Krafttrainingseinheit durch, 16 ein HIIT-Training. Blutproben wurden vor dem Training, direkt danach sowie 30 Minuten nach Ende entnommen. Darin wurden die Spiegel der Myokine Decorin, Interleukin-6 (IL-6), SPARC und Oncostatin M (OSM) gemessen. Zusätzlich prüfte man im Labor, wie stark das Blutserum das Wachstum aggressiver Brustkrebszellen (MDA-MB-231) hemmt.
Ergebnisse
Unmittelbar nach dem Training stiegen die Spiegel mehrerer Myokine (Decorin, IL-6, SPARC) deutlich an (um 9 bis 47 %). IL-6 blieb auch 30 Minuten nach Trainingsende erhöht, und OSM zeigte nur nach Krafttraining einen Anstieg. Zwischen den Gruppen gab es Unterschiede: Nach HIIT war IL-6 besonders stark erhöht.
Das Blutserum hemmte das Wachstum von Brustkrebszellen im Labor signifikant – sowohl nach Kraft- als auch nach HIIT-Training (um 19 bis 29 % weniger Zellwachstum im Vergleich zum Ausgangswert). Dabei war der Effekt von HIIT direkt nach dem Training stärker.
Schlussfolgerung
Schon eine einzige Trainingseinheit – egal ob Krafttraining oder HIIT – steigert die Ausschüttung von antikrebswirksamen Muskelbotenstoffen und hemmt das Wachstum aggressiver Brustkrebszellen im Labor. Das deutet darauf hin, dass körperliches Training wesentlich dazu beitragen kann, das Rückfallrisiko zu senken. Bewegung ist damit weit mehr als nur unterstützende Therapie: Sie zeigt direkte, vielversprechende antikrebswirksame Effekte.
Quellennachweis:
Breast Cancer Research and Treatment (2025) 213:171–180
https://doi.org/10.1007/s10549-025-07772-w
Francesco Bettariga1,2 · Dennis R. Taaffe1,2 · Cristina Crespo‑Garcia1,2 · Timothy D. Clay1,3 · Mauro De Santi4 · Giulia Baldelli4 · Sanjeev Adhikari2,5 · Elin S. Gray2,5 · Daniel A. Galvão1,2 · Robert U. Newton1,2,6