Wenn die Corona-Impfung dem Immunsystem beim Kampf gegen Krebs hilft

Forschende aus den USA haben in einer großen Studie etwas Unerwartetes entdeckt: Die mRNA-Impfstoffe gegen COVID-19 – also dieselben Impfstoffe, die während der Pandemie millionenfach eingesetzt wurden – könnten auch die Wirksamkeit bestimmter Krebsimmuntherapien verbessern.

Diese Krebsbehandlungen, sogenannte Immun-Checkpoint-Hemmer (ICIs), helfen dem Immunsystem dabei, Krebszellen anzugreifen. Sie funktionieren jedoch nur dann gut, wenn das Immunsystem den Tumor bereits als Feind erkennt. Viele Tumoren – sogenannte „kalte Tumoren“ – verstecken sich erfolgreich vor der Immunabwehr.

Wie die Forscher das herausfanden
In Tierversuchen stellten die Wissenschaftler fest, dass nach einer Impfung mit einem SARS-CoV-2-mRNA-Impfstoff (ähnlich wie die von BioNTech oder Moderna) eine starke Aktivierung bestimmter Immunprozesse auftrat:
Es kam zu einem deutlichen Anstieg von Typ-I-Interferonen, das sind Botenstoffe, die das Immunsystem in Alarmbereitschaft versetzen.

  • Dadurch wurden CD8-T-Zellen aktiviert – spezialisierte Immunzellen, die Krebszellen gezielt angreifen können.


Wurde die Impfung mit einer Immun-Checkpoint-Therapie kombiniert, reagierten selbst zuvor „kalte“ Tumoren plötzlich auf die Behandlung. Diese Tumoren begannen, PD-L1 zu bilden – ein Molekül, das zeigt, dass das Immunsystem tatsächlich aktiv geworden ist und die Tumorzellen erkannt hat.

Auch bei Menschen zeigen sich ähnliche Hinweise

Die Forschenden fanden anschließend in großen Patientendatenbanken ähnliche Zusammenhänge:

  • Bei Krebspatientinnen und -patienten, die innerhalb von 100 Tagen vor Beginn einer Immun-Checkpoint-Therapie eine mRNA-Covid-Impfung erhalten hatten,
  • war das Gesamtüberleben signifikant länger,
  • und nach drei Jahren lebten mehr dieser Patientinnen und Patienten im Vergleich zu Ungeimpften.
  • Dieser Vorteil zeigte sich auch bei Krebsarten, die normalerweise nicht gut auf Immuntherapie ansprechen.

Auch Blutanalysen von Geimpften zeigten eine verstärkte Immunaktivierung – sowohl bei Gesunden als auch bei Krebspatienten.

Was bedeutet das?

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass mRNA-Impfstoffe nicht nur gegen Infektionen schützen, sondern auch das Immunsystem so beeinflussen können, dass es Krebs besser bekämpft.
Das liegt daran, dass die mRNA-Impfung eine Art „Grundrauschen“ im Immunsystem erzeugt – sie schaltet Abwehrmechanismen an, die dann auch Tumorzellen sichtbarer machen.
Die Forschenden sprechen von einem „unerwarteten Synergieeffekt“: Eine Impfung gegen ein Virus könnte helfen, den Körper auf die Immunabwehr gegen Krebs vorzubereiten.
 
Literaturhinweis:
Grippin, A. J., Marconi, C., Copling, S., Li, N., Braun, C., Woody, C., Young, E., Gupta, P., Wang, M., Wu, A., Jeong, S. D., Soni, D., Weidert, F., Xie, C., Goldenberg, E., Kim, A., Zhao, C., DeVries, A., Castillo, P., Lohray, R., Rooney, M. K., Schrank, B. R., Wang, Y., Ma, Y., Chang, E., Kouzy, R., Dyson, K., Jafarnia, J., Nariman, N., Gladish, G., New, J., Argueta, A., Amaya, D., Thomas, N., Doty, A., Chen, J., Copling, N., Alatrash, G., Simon, J., Davies, A. B., Dennis, W., Liang, R., Lewis, J., Wei, X., Rinsurongkawong, W., Vaporciyan, A. A., Johns, A., D3CODE Team, Lee, J., Lee, J.-H., Sun, R., Sharma, P., Tran, H., Zhang, J., Gibbons, D. L., Wargo, J., Kim, B. Y. S., Heymach, J. V., Mendez-Gomez, H. R., Jiang, W., Sayour, E. J. & Lin, S. H.
(2025). SARS-CoV-2 mRNA vaccines sensitize tumours to immune checkpoint blockade. Nature.
https://doi.org/10.1038/s41586-025-08487-0